Chor Yaroslavl - Arvo Pärt & Irina Denisova : Orthodoxer Gesang und Orgelwerke

Seit dem Ende des Kommunismus florieren die religiösen Kompositionen in den Ländern mit orthodoxer Tradition. Wie schon Tschaikowsky oder Rachmaninow zu ihrer Zeit, erscheinen Arvo Pärt und Irina Denisova heute als Hauptakteure dieser Wiedergeburt.

Irina Denisova ist heute die am meisten anerkannte und geschätzte Komponistin in der slavisch orthodoxen Welt. Seit sie 2008 in ein Kloster eintrat, trägt sie übrigens einen zweiten Namen : Schwester Julianja. Sowohl für liturgische Gottesdienste der orthodoxen Kirche (Liturgie, Vespern, Frühmessen), als auch für die vielseitige Sparte der Volks- und traditionellen russischen Lieder hat sie zahlreiche Werke komponiert und arrangiert. Im Gegensatz zu Arvo Pärt bleibt sie dem slavischen Geist sehr treu, lieber in der spirituellen und slavisch folkloristischen Tradition grabend, als Inspiration in einer anderen Tradition zu suchen oder zu versuchen Brücken zwischen verschiedenen christlichen Traditionen zu bauen. 

Obwohl Arvo Pärt von orthodoxer Konfession ist, sprüht er vor Begeisterung und Interesse für andere liturgische Traditionen, allen voran die des lateinischen Abendlandes. Und tatsächlich komponiert er für alle, Orthodoxe, Lutheraner, Römisch-Katholiken oder Anglikaner. Er hat übrigens nie gezögert für das Instrument, das in den Augen der Orthodoxen das Instrument par excellence der Division darstellte, zu komponieren: die Orgel. Daher kommt auch sein Status als Bindeglied zwischen Morgen- und Abendland, den man Arvo Pärt oft zuweist. Seit 2010 ist er übrigens der am meisten interpretierte lebende Komponist in der Welt der Klassik. 

Der Platz der Orgel im Herzen des Gottesdienstes ist in der Tat immer wieder in Frage gestellt worden, und dies seit den ersten christlichen Jahrhunderten und der Spaltung der morgen- und abendländischen Kirche im Jahre 1054. Während ihr das Abendland im Laufe der Jahrhunderte einen ausgewählten, wenn nicht sogar beherrschenden Platz auserkoren hat, sah es das christliche Morgenland mit ganz anderen Augen. Nach der orthodoxen Doktrin kann einzig und allein die menschliche Stimme den Allerhöchsten zelebrieren. Das Instrument ist nicht vollkommen genug und allein die Stimme übertrifft es. Vor allem aber kann nach der orthodoxen Theologie nur ein gesungener Text die Intelligenz des christlichen Glaubens wirklich erfassen. Ein Instrument ist in der Tat der Definition nach « ohne Worte ». Gewiss übermittelt ein Instrument zahlreiche Gefühlsregungen, aber auf zu zweideutige und unsichere Weise, um dem christlichen Glauben und der christlichen Intelligenz dienen zu können. 

Kurz gesagt, jedes beliebige Instrument führt eher in die Irre anstatt zu erleuchten und verleitet so zu heidnischen Zeremonien. So fordert die Orgel, die sich in Polen und der Ukraine immer weiter ausbreitet, die Orthodoxen im 17. und 18. Jahrhundert heraus. Zu Recht oder zu Unrecht haben die konservativen Orthodoxen das neue „Monster“ ohne Rücksicht auf Verluste bekämpft und sind zu dem Entschluss gekommen, jedes Instrument in der Kirche zu verbieten. Heute noch ist die Orgel in allen orthodoxen Kirchen verboten – eine nennenswerte Ausnahme bilden die unierten Kirchen, die zwar orthodoxen Riten folgen, aber zum römischen Katholizismus gehören.

Der Chor Yaroslavl und die Organistin Pascale Van Coppenolle werden zusammen diese beiden Gesichter der orthodoxen Welt des Ostens vorstellen. Ein musikalischer und kultureller, aber auch politischer Dialog zwischen zwei Welten (West – und Osteuropa), der 2019 absolut notwendig ist, wenn Europa in zahlreichen Fragen der Identität und der Grenzen schwächer wird und sich zersplittert.

Stadtkirche Biel

Ring 2
2502 Biel
lu ma me je ve sa di
 
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